Erfolg ist (k)eine Kunst

By Chris Becker 5 Monaten agoNo Comments

Kann man in einer Welt voller Unsicherheit, Konkurrenzdruck und Zukunftsangst in Frieden und Sicherheit leben? Man kann. Und zwar ohne Medikamente. Voraussetzung dafür ist eine einzige fundamentale Erkenntnis aus der Physik und Religion. Der Stress und die innere Unruhe entstehen aus einem bestimmten Weltbild, dem Weltbild der klassischen Physik aus dem 19. Jahrhundert, das nicht mehr den heutigen Erkenntnissen entspricht.

Seit Jahrzehnten werden wir überschwemmt mit Erfolgsrezepten. In den Buchhandlungen finden sich zahlreiche Bücher, die uns erklären, was wir tun müssen, um erfolgreich zu sein. Und kürzlich hat ein Psychologe „enthüllt“, was wir nicht tun müssen, um sofort (!) erfolgreich zu sein. Kenne Sie einen (1!) sehr erfolgreichen Menschen, der ein Erfolgsrezept aus einem Buch angewendet hat und dann erfolgreich wurde? Ich kenne keinen.
Schauen wir uns an, wie solche Erfolgsrezepte zustande kommen.

Man nimmt einen oder mehrere erfolgreiche Menschen und analysiert deren Verhalten. Mit anderen Worten: Wir betrachten im Nachhinein (ex-post), was ein ganz bestimmter Mensch getan hat. Und dann erklären wir, er war deshalb erfolgreich, weil… Auf den Sport bezogen beherrscht in der Schweiz der Bernhard Russi diese Analyse perfekt. Er weiss immer ganz genau – im Nachhinein – weshalb jemand gewonnen oder verloren hat. So stellt er zum Beispiel fest, dass der Sieger in einem Abfahrtsrennen eine bestimmte Kurve ganz eng genommen hat. Aber niemand kann sagen, weshalb ausgerechnet dieser Sportler diese Kurve so eng genommen hat – und weshalb die anderen nicht. Bestimmt hatten alle Spitzenathleten vor dem Rennen die genau gleichen Anweisungen. In der Wirtschaft ist es genauso. Wir können beispielsweise feststellen, dass ein bestimmter erfolgreicher Firmeninhaber die Mitarbeiter sehr gut behandelt – und dann erklären wir, dieser Mensch ist erfolgreich, weil er die Mitarbeiter gut behandelt. Es gibt aber zahlreiche Gegenbeispiele. Ich weiss von einem sehr erfolgreichen Unternehmen in Deutschland, das die Mitarbeiter sehr schlecht behandelt. Kein Mitarbeiter spricht positiv über dieses Unternehmen – und trotzdem ist es sehr erfolgreich. Wir könnten auch den Warren Buffet nehmen und schauen, was er zum Frühstück zu sich nimmt. Wenn er Cornflakes isst, dann könnten wir daraus schliessen, dass man zum Frühstück Cornflakes essen muss, um an der Börse sehr erfolgreich zu sein. Das ist natürlich genauso unsinnig wie alle anderen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Ein Arzt hat mir an einem Seminar folgendes erzählt. Er hat zwei Männer untersucht. Beide waren ungefähr gleich alt. Der eine hatte ganz schlechte Blutwerte. Und auch alle anderen Ergebnisse gaben Anlass zur Sorge. Der Arzt hat diesem Mann erklärt, dass er dringend seine Lebensgewohnheiten ändern muss, wenn er weiterleben will. Der andere Mann hatte ausgezeichnete Werte; alles war im grünen Bereich. Kein Anlass zur Sorge. Einige Monate später ist der Mann mit den ausgezeichneten Werten gestorben und der andere lebt fröhlich weiter. Mit unserem Kopf konstruieren wir Zusammenhänge wo es schlicht und einfach keine Zusammenhänge gibt. Woher kommt diese Fixierung auf Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge? Aus der Physik.

Die Erkenntnisse aus der Physik

Die klassische Physik – aus dem 19. Jahrhundert! – war der Meinung, dass sich alles aufgrund von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen berechnen lässt. Man muss nur die richtige Ursache setzen, dann erhält man die gewünschte Wirkung. Im 19. Jahrhundert waren die Physiker der Meinung, dass sich alles berechnen lässt. Nach diesem Muster funktionieren unsere Köpfe noch heute. Das gilt auch für die Erfolgsrezepte: Wir meinen noch immer, wenn ich die richtige Ursache setze, geschieht genau das, was ich wünsche (Erfolg). Die klassische Physik hat Gott aus der Welt eliminiert. Alles funktioniert wie ein Uhrwerk und ist berechenbar, somit braucht es keinen Gott.
Die Quantenphysik – 20. Jahrhundert! – hat aber nachgewiesen, dass die klassische Physik überholt ist. Es gibt keine absolute Zeit, es gibt keinen absoluten Raum und es gibt keine objektive Welt. Die Quantenphysik hat erkannt, dass es jenseits des Messbaren etwas gibt, was sich unserer Erkenntnis entzieht. Und dieses Jenseitige blenden wir konsequent aus, wenn es um Glücks- und Erfolgsmethoden geht.

Wenn wir unser eigenes Leben aufmerksam beobachten würden, dann könnten wir selber feststellen, dass viele Dinge geschehen, ohne dass wir etwas dafür getan haben. Die Quantenphysik hat eindeutig festgestellt, dass es eine Welt gibt, die jenseits des Berechenbaren ist. Die Quantenphysik hat somit Gott wieder in die Welt zurückgeholt, nachdem er von der klassischen Physik vertrieben wurde. Tatsache ist: Der Mensch ist NICHT seines Glückes Schmied. Allein diese Erkenntnis führt zu einer gewissen Entspannung, nicht wahr?

Vom Quantenphysiker Werner Heisenberg stammt folgender Satz:
„Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch, doch auf dem Boden des Bechers erscheint dann Gott.“

Die Erkenntnisse aus der Religion

Haben Sie einmal beobachtet, was nach einer Katastrophe, zum Beispiel nach einem Flugzeugabsturz oder Terroranschlag, geschieht?
Erstens wird nach der Ursache gesucht. Und man findet IMMER eine Ursache. Aber niemand kann erklären, WESHALB ausgerechnet diese Ursache und nicht eine andere.

Zweitens werden Gedenkgottesdienste abgehalten. Wo werden diese abgehalten? Üblicherweise in einer Kirche. Man nennt das auch Gotteshaus. Die Menschen, die daran teilnehmen, gehen offenbar davon aus, dass es etwas gibt, das unsere sichtbare Welt übersteigt. Dass es etwas gibt, was wir nicht erfassen, berechnen, analysieren und kontrollieren können.

Im Rahmen solcher Gedenkgottesdienste wird oft das Vaterunser gebetet. Wie heisst es dort so schön? „Herr, Dein Wille geschehe.“ (Eigentlich müsste es lauten „Herr, Dein Wille geschieht.“) Wer so etwas betet, geht davon aus, dass es eine Macht gibt, die unser begrenztes Vorstellungsvermögen überschreitet und die in unsere Welt hinein wirkt, nicht wahr? Und was geschieht dann?
Sobald wir auch nur einen Fuss aus der Kirche heraus gesetzt haben, lautet unser Motto wie folgt:

„Mein Wille geschehe!“

Ich entscheide, was ich will. Ich weiss, was für mich richtig ist.
Sämtliche Erfolgsrezepte – ohne Ausnahme! – basieren auf diesem „Mein Wille geschehe!“
Das entspricht haargenau der klassischen Physik aus dem 19. Jahrhundert, die sich als überholt erwiesen hat.
Mit unseren Erfolgsrezepten bewegen wir uns bewusstseinsmässig immer noch im Bereich des ersten Trunks, der klassischen Physik des 19. Jahrhunderts.

Es ist keine Kunst erfolgreich zu sein

Was bedeutet das für all die Erfolgsrezepte? Es sind Illusionen. Kein Mensch ist wegen der Anwendung irgendwelcher Erfolgsrezepte erfolgreich.

Weshalb ist der Warren Buffet erfolgreich? Weil er der Warren Buffet ist.

Weshalb war der Picasso erfolgreich? Weil er der Picasso war. Es ist keine Kunst, erfolgreich zu sein wie der Picasso – wenn man der Picasso ist. Es ist keine Kunst, erfolgreich zu sein wie der Warren Buffet, wenn man der Warren Buffet ist. Konnte der Picasso und der Warren Buffet etwas dafür, dass sie diese Talente haben, die sie haben? Können Sie etwas dafür, dass Sie den Charakter haben, den Sie haben? Wenn Sie ein Perfektionist sind, können Sie etwas dafür, dass Sie ein Perfektionist sind? Können Sie diesen Drang nach Perfektionismus ändern? Ich erwähne den Perfektionismus hier, weil der eingangs erwähnte Psychologe „enthüllt“ hat, dass man kein Perfektionist sein darf, wenn man Erfolg haben will. Bestimmt kennen auch Sie Menschen, die Perfektionisten sind und die sehr erfolgreich sind. Spontan fällt mir dazu die Sängerin Célin Dion ein. Es soll auch sehr erfolgreiche Chirurgen geben, die Perfektionisten sind. Und zum Glück gehören dazu all jene Montagearbeiter, welche unsere Autos und Flugzeuge zusammenbauen. Ich mag nicht daran denken, was wäre, wenn diese Menschen die Perfektion weglassen würden, wenn es ihnen egal wäre, ob eine Schraube angezogen ist oder nicht.

Ein Mensch ist schlicht und einfach deshalb erfolgreich, weil es zu seinem Leben gehört. Als Kinder hatten wir einen Ausspruch, der lautete wie folgt: „Warum?“. Die Antwort lautete jeweils: „Darum!“ Als Kind wusste ich nicht, dass dies ein sehr weiser Ausspruch ist. Kinder scheinen Dinge zu wissen, die man als Erwachsener vergessen hat. Warum ist jemand erfolgreich? Darum! Weil es zu seinem Leben gehört. Aber wenn jemand mit der Illusion lebt, nur richtig Denken zu müssen, um erfolgreich zu sein, dann ist das auch ok.

Jetzt stellen Sie sich vielleicht die Frage, was Sie tun können, wenn es nicht zu Ihrem Leben gehört, erfolgreich zu sein. Es gibt einen Grundsatz, der übrigens auch der Quantenphysik entspricht, der da lautet: Alles ist eine Frage des Bewusstseins. Es gibt keine objektiv gute oder schlechte Welt. Die Welt, Ihre Welt, hängt von Ihrem Bewusstsein ab. Und wenn das so ist, dann können Sie nichts Besseres tun, als alles was in Ihrem Leben geschieht als ein Geschenk des LEBENS zu betrachten. Das klingt sehr einfach, aber offenbar ist es schwieriger als die Anwendung irgendwelcher Erfolgsrezepte. Der römische Kaiser Marc Aurel hat es so ausgedrückt: „Es sind nicht die Dinge an sich, die uns Sorgen oder Freude bereiten, es ist unsere Einstellung dazu.“

Der Machbarkeitswahn (unsere Hybris!) geht so weit, dass wir sogar glauben, wir könnten die Temperatur auf unserem Planeten kontrollieren. Offenbar haben jene Menschen, die das glauben, in der Schule im Geologie-Unterricht gefehlt. Dort hat man uns nämlich von den Eiszeiten und den Wärmeperioden erzählt, man hat uns von den Kontinentalverschiebungen und von den Wüsten berichtet, die einmal Meere waren. Die Erde hat gigantische Veränderungen erlebt zu einer Zeit, als es praktisch keine Menschen gab – und jetzt meinen wir, die kleinsten Veränderungen auf unserem Planeten verhindern zu können. Vielleicht wäre auch die Beschäftigung mit der modernen Kosmologie hilfreich, um unsere Überheblichkeit ein bisschen zu dämpfen. Diese erzählt uns nämlich, dass es in unserer Milchstrasse 100 Milliarden Sterne gibt. Man muss sich das einmal vorstellen: 100 Milliarden Sterne allein in unserer Milchstrasse. Und dass es ungefähr 100 Milliarden Milchstrassen gibt…

Wenn man das weiss, dann wird man möglicherweise bescheiden. Wissenschaftler und religiöse Menschen nennen es Demut. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es grosse Katastrophen (Flugzeugabstürze, Überschwemmungen, Terroranschläge, etc.) braucht, um unseren Machbarkeitswahn ein bisschen zu dämpfen und uns daran zu erinnern, dass wir eigentlich gar nichts im Griff haben, schon gar nicht unseren Erfolg oder Misserfolg.

„Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt.“ Shakespeare
Ob es uns gefällt oder nicht: Tatsache ist:
„Nichts ist unser Verdienst.“

Nichts ist mein Verdienst!

Was bringt mir diese Erkenntnis? Wunder! Der ganze Stress fällt weg, der Kampf fällt weg, weil ich verstanden habe, dass ich nichts, was geschehen soll, verhindern kann und dass ich nichts, was nicht geschehen soll, erzwingen kann. Ich fühle mich als goldiger Passagier, der sich durchs Leben fahren lässt. Der Kampf ist vorbei. Ich pflücke die Geschenke des LEBENS.
Diese Erkenntnis führt ausserdem zu einer Verkleinerung meines Egos und somit zu weniger Problemen. Schliesslich ist es unser Ego, das leicht verletzt werden kann und das glaubt, sich überall durchsetzen zu müssen.
Falls Sie unruhig und gestresst sind, sollten Sie über diesen Satz meditieren:
Nichts ist mein Verdienst.

Über die Autoren

Françoise & René Egli

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www.lolaprinzip.ch

Das Interview mit Françoise und René Egli ist noch bis 18.2. kostenlos verfügbar!

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  Allgemein

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