Kann sich ein introvertierter unter Druck in einen extrovertierten Menschen wandeln?

By Chris Becker 2 Monaten ago2 Comments
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Wenn ich Seminare halte, dann kommen häufig Teilnehmer mit dem Wunsch: „Ich will extrovertierter werden.“ Wenn ich nachhake kommt häufig raus, dass nicht sie es wollen, sondern der Chef. Meistens als Grundvoraussetzung für eine Beförderung. Nun sind diese Teilnehmer aber eher introvertiert. Können sie das ändern? Können sie extrovertiert werden?

Gegenfrage: Können wir aus einem Asiaten einen Deutschen machen? Jein. Wir können dafür sorgen, dass der Asiate deutsch lernt, wir können ihm unsere Kultur nahe bringen und unsere Gewohnheiten. Doch er wird immer seine Herkunft in sich tragen und er wird immer wie ein Asiate aussehen.

Was meine ich damit?

Introvertierte Menschen können natürlich aus sich raus gehen und souverän auftreten, auch mal laut sein, auch mal aufstampfen. Doch sie bleiben introvertiert. Schüchternheit ist etwas anderes, die können wir „besiegen“, falls wir dies überhaupt wollen. Doch Schüchternheit ist nicht mit Introvertiertheit gleichzusetzen.

Ich frage mich auch ständig, warum ein Mensch sich von Grund auf ändern soll, nur damit er ins Unternehmens-Schema passt? Warum können die Vorgesetzten nicht die Vorteile eines introvertierten Menschen schätzen und ihn trotzdem oder gerade deswegen befördern.

Häufig kam bei Rückfragen nämlich heraus, dass die Teilnehmer von der Arbeit her super waren und der Vorgesetzte maßlos begeistert wäre, aber: Sie müssen mehr auffallen in einem Meeting. Wenn Sie keiner sieht, dann kann ich Sie auch nicht als Führungskraft vorschlagen.

Wo liegt die Herausforderung?

Wenn ein introvertierter Mensch sich etwas wagt, was er sonst im Leben nicht machen würde, dann befindet er sich meilenweit außerhalb seiner Komfortzone. Zum Beispiel wenn er eine Präsentation halten soll, obwohl er nicht gerne im Rampenlicht steht. Wenn er nun negatives Feedback bekommt, dann stürzt er ins Bodenlose weil jegliche Sicherheit der Komfortzone kilometerweit entfernt ist.

Da ist dann kein Seil, kein Netz und kein doppelter Boden. Der Schmerz ist für ihn viel schwerer zu ertragen, als bei einem extrovertierten Menschen. Der würde sich einfach denken: Ach, das war noch nicht gut genug? Kein Problem. Dann mache ich es beim nächsten Mal besser. An jeder Panne wachse ich.

Zu weit außerhalb der Komfortzone

Auch ein introvertierter Mensch kann natürlich wachsen, aber es hilft nichts, wenn er sich zu weit außerhalb der Komfortzone befindet. Es gilt also, kleine Schritte zu machen. Vielleicht mal hier ein bisschen mehr Präsenz aufbauen und dort an einer kräftigeren Stimme arbeiten. Damit erweitern Sie Ihre Komfortzone und sicherlich ist dann auch irgendwann eine Präsentation möglich. Doch nicht von Jetzt auf Gleich und Sie bleiben trotzdem ein introvertierter Mensch.

Fazit

Wir können alle gut reden, auch wenn die Außenwelt manchmal die Stärken nicht sehen kann oder nicht sehen will, weil sie nicht dem gängigen Klischee entsprechen. Veränderungen und Wachstum sind großartig und wichtig, doch die Wurzeln bewusst wahrzunehmen und dazu zu stehen, ist genauso wichtig.

Über die Autorin

Isabel Garcia

Isabel García zeigt als Rednerin jedermann, wie er sofort besser wirken kann. Sie ist mehrfache Bestsellerautorin mit einer Gesamtauflage von über 110.000 Exemplaren.

Weitere Infos: www.ichrede.de

Das Interview mit Isabel Garcia ist noch bis 18.2. kostenlos verfügbar!

Kommentare

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2 Comments

  • Wal says:

    Ja, da fühle ich mich sehr angesprochen. Meine Malerei kommt auch genau aus dieser Zurückgezogenheit und Stille. Jetzt, wo ich immer mehr „im Druck“ stehe und ich mich fast getrieben fühle, „heraus“ zu gehen, leidet auch meine Arbeit darunter, ich komme nicht mehr richtig voran. Ich müsste mich einfach nur ums Malen kümmern können und jemand anders macht den ganzen Verkauf, das wäre ein „Traum“!
    Es ist halt so üblich, die Lauten bekommen die Aufmerksamkeit…

  • DANKE @Isabel wirklich schöner kompakter Beitrag. Auf den Punkt. Mir scheint viele von uns sind immer noch von der ANGST getrieben des „Ich bin so nicht richtig“ bzw „Ich kann nix wirklich“ (imposter syndrom) und dies betrifft insbesondere auch die die ANDERS sind als es gemeinhin von der Breite der Gesellschaft (was auch immer das ist) erwartet wird.

    Daher liebe ich es wie du das kommunizierst und es ist auch meine (Lebens) Aufgabe [ua bei LernenDerZukunft.com , was du ja kennst 🙂 ] , den MUT zum sich selber annehmen und leben und liebhaben (welch jähes Ziel) in die Gehirne und Gefühle eines jeden einzelnen da draußen zu bringen… und natürlich in mir selbst zu stärken… in diesem Sinne.
    The BEST is YET to come
    Dein Andreas

    PS alles liebe auch an euch @katharina @ thomas @georg ihr seid eindeutig mit verantwortlich dass solche Themen auch immer weiter sich ausbreiten dürfen. Daher drei Herzerln für euch. alles LIEBE aus Innsbruck!

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