Neid: in 5 Schritten aus dem Neid

In 5 Schritten raus aus dem Neid

Wir kennen wohl alle das Gefühl des Neids: Es entsteht, wenn andere etwas haben, das wir gern hätten. Das kann Neid auf eine Partnerschaft oder eine Arbeitsstelle sein. Neidisch sein kann man auch auf Wohlstand und Erfolg – und auf das Leben eines anderen Menschen insgesamt. Neid entsteht, wenn sich jemand etwas leistet, was ich mir gern leisten würde – oder intellektuell oder physisch etwas zu leisten im Stande ist, was ich gern leisten könnte. Es ist ein Gefühl, dessen man sich oft nur schwer erwehren kann – eben weil es vor allem aus dem Unterbewusstsein kommt. Und es ist ein schmerzhaftes Gefühl. Denn es symbolisiert einen Verlust beziehungsweise ein Defizit – etwas, das in meinem Leben fehlt und dessen Fehlen mir in dem Moment besonders schmerzhaft vor Augen geführt wird, wenn ein anderer es hat.

Wir alle kennen dieses Gefühl – und wir alle hassen es. Deshalb ist es wichtig, Strategien zu kennen, um sich von diesem Gefühl zu befreien. Und um die darin investierte Energie für etwas Positives einzusetzen, das dich voran bringt. Wir haben aus diesem Grund einen Ratgeber zusammengestellt, wie du in fünf Schritten ganz gezielt den Weg aus diesem bedrückenden und negativ auf Psyche und Körper wirkenden Gefühl des Neids finden kannst.

Schritt 1: Gestehe den Schmerz ein

Neid ist ja generell negativ besetzt. Deshalb gibt es kaum ein Mensch gern offen und unumwunden zu, wenn er auf etwas oder jemanden neidisch ist. Der erste Schritt, sich von der psychischen Belastung, die durch Neid entsteht, zu befreien, ist jedoch genau diese Konfrontation: Sei dir selbst gegenüber schonungslos ehrlich und gestehe dir das Gefühl des Schmerzes ein, das der Neid in dir hervorruft. Erlaube es diesem oftmals unterdrückten Gefühl, ganz bewusst, zu wirken. Es geht an dieser Stelle einfach nur darum, dir bewusst zu machen: „Da ist ein Schmerz.“ Vielleicht spürst du diesen Schmerz auch an einer bestimmten Stelle deines Körpers. Wie so viele negative Empfindungen, schlägt sich beispielsweise auch Neid oft in Magenbeschwerden, Herzschmerz oder Kopfweh nieder.

Im ersten Schritt gilt es also, bewusst Kontakt aufzunehmen zu deinem Körper und den Schmerz ganz gezielt zu empfinden. Das macht das Problem „Neid“ für dich auf einmal greifbar – und damit beherrschbar. Denn im zweiten Schritt nimmst du dem Schmerz seine Grundlage.

Schritt 2: Trenne Illusion von Realität und erkenne dein kreatives Potenzial

Hast du das Gefühl des durch Neid entstandenen Schmerzes erst einmal bewusst zugelassen, folgt der heilsame Realitätsschock: Mach dir bewusst, dass das Idealbild, dem du nachjagst, eine Illusion ist. Denn Neid bezieht sich immer auf die Fassade, auf das, was man von außen über den Erfolg, Reichtum oder auch die Partnerschaft eines Menschen wahrnehmen kann. Damit ist seine Basis genauso oberflächlich und unrealistisch wie die Cover-Fotos auf Hochglanzmagazinen: Du kennst nur den Ausschnitt, die Momentaufnahme von einem Menschen. Und auf diesen kurzen Schattenriss aus seinem Leben bist du neidisch. Doch ebenso wie das Modell von der Titelseite nicht nur mit Photoshop geschönt wurde, sondern sich im Leben wahrscheinlich eine Menge Schönes verkneifen muss, um den perfekten Körper zu haben, kennst du die Realität hinter den Erfolgsstories nicht, die deinen Neid hervorrufen.

Du weißt nicht, mit welchen Opfern ein Erfolg für den Betreffenden vielleicht verbunden war. Du kennst die Konflikte nicht, die sich in trauter Zweisamkeit in der Beziehung des Paares einstellen, auf dessen nach außen so harmonisch wirkende Beziehung du neidisch bist. Du kannst nicht in das Innenleben des so selbstsicher auftretenden Vorbild-Charakters blicken und hast deshalb keine Ahnung von seinen inneren Selbstzweifeln, die er durch sein übertriebenes Selbstbewusstsein zu überspielen versucht. Der Faktor, auf den du Neid empfindest, ist in der Regel also ein Phantasiegebilde, das in den seltensten Fällen wirklich ohne Schattenseiten zutrifft.

Du solltest dir im zweiten Schritt auf dem Weg raus aus dem Neid deshalb ganz bewusst sagen: „Die ist nur eine Illusion. Sie hält der Realität nicht stand. Und rechtfertigt es deshalb keinesfalls, darüber Schmerz zu empfinden.“ Und du solltest dir bewusst machen, dass all die Illusionen, mit denen du dir das perfekte Leben der anderen in den schillerndsten Farben und Details ausgemalt hast, für ein enormes kreatives Potenzial stehen. Ein Potenzial, das in dir schlummert – und das sicher für sehr viel bessere Dinge genutzt werden kann, als für neidvolle Illusionen.

Schritt 3: Nimm den Schmerz als Chance wahr

Gefühle sind immer auch ein Tor zum eigenen Unterbewusstsein. Und schmerzhafte Gefühle haben ein ganz besonders großes Potenzial, dich zu tieferen Erkenntnissen über dich selbst zu führen. Du musst nur den Mut haben, ihnen zu folgen – auch wenn es im ersten Moment angenehmer erscheint, sie einfach zur Seite zu schieben. Du kannst deshalb den durch Neid entstandenen Schmerz positiv nutzen, um mehr über dich selbst zu erfahren. Denn die Dinge, auf die du neidisch bist, sind weniger eine Aussage über diejenigen, auf die du Neid empfindest. Sie geben dir vielmehr sehr genau Auskunft darüber, wo deine eigenen Sehnsüchte und Bedürfnisse liegen. Sie können dir zeigen, wo du dich gern hin entwickeln würdest. Deshalb ist Neid auch immer eine Chance – und ein Signal an dich selbst, den nächsten Schritt zu wagen. Oft bedeutet das, offen für etwas Neues zu sein – und aktiv an dessen Erreichen zu arbeiten.

Du bist also vom Eingeständnis des Schmerzgefühls über die Relativierung deiner Illusion bis hin zur Selbsterkenntnis über deine eigenen Bedürfnisse gekommen. Was nun folgt, ist fast zwangsläufig ein gewisses Angstgefühl – ein Gefühl, das du im vierten Schritt ganz bewusst adressieren solltest.

Schritt 4: Gestehe dir die Angst vor deiner eigenen Größe ein

Der Ursprung des Neids liegt häufig in der Angst, eigene einschneidende Entscheidungen treffen zu müssen. Denn es ist deutlich einfacher, über das eigene Dasein und dessen Defizite zu klagen und andere um ihr vermeintlich perfektes Leben zu beneiden, als tatsächlich den Sprung in etwas Neues zu wagen. Wenn du dir diese Angst jedoch bewusst machst und dich nicht länger hinter dem Neid versteckst, erkennst du deine eigenen Potenziale auf einmal sehr deutlich. Das bedeutet natürlich auch, dass mit dem Umsetzen dieser Potenziale nicht nur Positives verbunden sein wird – und genau darin liegt ja die Ursache für die Angst vor der eigenen Größe beziehungsweise der eigenen Courage. Denn Selbstverwirklichung und das Gehen eines neuen Weges ist immer auch mit Verlust und somit mit Schmerz verbunden: vom Abschied von geliebten Menschen bis hin zum Abschied von eingefahrenen, sicheren Routinen.

Schritt 5: Nutze dein kreatives Potenzial bewusst

Nachdem das Ergründen deiner Neid-Gefühle dich auf den Weg zur Erkenntnis deiner eigenen kreativen Potenziale geführt hat, solltest du im fünften Schritt diese Potenziale ganz bewusst für dein eigenes Vorankommen nutzen. Versuche dir zum Beispiel, deine größte Vision oder Wunschvorstellung zu visualisieren oder anders zu verdeutlichen – ob als Text, Bild oder auch als Sprachnachricht an dich selbst. Manchmal reicht auch nur ein einziges Wort, um auf den Punkt zu bringen, wo dein größter Wunsch oder deine Vision für deine persönliche Weiterentwicklung liegt.

Das kann durchaus überraschend sein. Deshalb solltest du auch bereit sein, dich von dir selbst überraschen zu lassen. Und das Ergebnis dieses kreativen Anstoßes musst du nicht sofort in bekannte Kategorien einordnen oder rational beurteilen können – ein absolut freies Brainstorming mit dir als Dreh- und Angelpunkt ist ideal, um wirklich zu ergründen, wo deine tiefsten Wünsche liegen. Wenn du erst einmal diese klare Vision hast, kannst du den Planungs- und Analysemodus wieder einschalten – und durchdenken, auf welche Weise und mit welchen Wegen sich diese Wünsche erfüllen lassen. Das kann ein Coaching sein oder auch ein Gespräch mit dem besten Freund oder engstem Vertrauten. Auf diese Weise kann sich aus schmerzvollem, negativ besetztem Neid der Anstoß für eine positive persönliche Entwicklung für dich ergeben.#

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