Wir haben in den letzten Tagen eine Entscheidung getroffen, die unser Leben und das Leben unserer Kinder verändern wird. Für immer. Wir wissen nicht, wohin es führt, noch was es uns bringt. Und doch ruft es uns so stark wie nie zuvor. Und es ist absolute Hingabe gefordert, an das, was geschehen will. Mit allen Konsequenzen.

Ein neues Leben beginnt…

Wir verlassen Österreich und ziehen in die weite Welt. Ende Jänner geht's los nach Thailand für 6 Wochen, danach kommen wir kurz zurück, um unserer Tochter Anna (11 Jahre) den Traum eines eigenen Pferdes zu erfüllen und dann geht's weiter zu den Orten, wo wir schon immer hin wollten: Bali, Costa Rica, Hawaii, …oder wie es Julian (fast 6 Jahre) sagt: „zu den Affen und den Delfinen“.

Schon seit über einem Jahr war dieser Schritt als leise Stimme vernehmbar, doch wir wollten uns nicht von unseren beiden Kindern trennen, die jetzt bei ihrer leiblichen Mutter bleiben werden.

Wir hatten ganz andere Pläne

Wie sind wir zu dieser Entscheidung gekommen? Gerade wenn Du unseren letzten Artikel über „Die Entscheidung: Hoffnung oder Verzweiflung“ gelesen hast, wirst Du überrascht sein. Genauso wie wir.

Geplant war etwas anderes. Haus suchen, den Kindern ein Zuhause schaffen, uns allen den Wunsch vom eigenen Hund zu erfüllen. Wir hatten schon für ein tolles Haus, eigentlich ein kleiner Hof mit Obstgarten und Bach am Grundstück, zugesagt, mit Platz für alle. Der Hund aus dem Tierheim war auch ausgesucht.

Doch, da war noch was…

Immer wieder hatte ich Zweifel wegen dem Hund. Was, wenn ich verreisen will, das geht mit Hund nicht. Für Thomas fühlte es sich nicht wirklich stimmig an, in das Haus zu ziehen. Irgendetwas stimmte für ihn nicht. Keine wirklich große Freude, so ein schönes Haus gefunden zu haben.

Ohnmacht?!

Wir mussten ohnehin warten. Der Hund war noch nicht amtlich freigegeben und die Vermieter brauchten noch Zeit für die Entscheidung.

Diese Wartezeit war für mich wie eine Geburt. Mit Wehen und Schmerzen. Ein Tag im Bett mit der Frage: Was läuft da ab? Was soll geschehen? Wo führt mich das Leben hin?

Thomas besorgte sich zum 3. Mal die 4-Stunden Woche von Timothy Ferriss. Wir besitzen keine Bücher mehr, manche kommen aber immer wieder in unser Leben. Er zog sich zurück um für sich klar zu werden.

Die schmerzlichste Frage

Und dann stellten wir uns die radikalste, da schmerzlichste aller Fragen: „Was würden wir tun, wenn wir keine Kinder hätten?“ Beide Kinder, Anna (11) und Julian (fast 6), leben ja fast die Hälfte der Zeit bei uns, die übrige Zeit bei ihrer leiblichen Mutter. Bisher war unsere Priorität in der Nähe der Kinder zu bleiben.

Für mich war sofort klar: Ich wäre schon lange nicht mehr in Österreich. Thomas genauso. Wir wussten es und spürten es. Schon lange. Nur diesmal war es so radikal wie nie zuvor.

Weniger als 100% geht nicht mehr

Keine Kompromisse mehr, keine halbherzigen Versuche uns sesshaft zu machen in Wohnungen, in denen wir uns nicht wohl fühlen. Oder einem Haus mit Garten, für das wir nicht die Energie oder Muße hatten da zu sein, weil es sich nicht 100% stimmig anfühlt. Wir lassen seit Jahren jeden Besitz los, haben im Juli unser Haus verlassen und alles, bis auf etwas Geschirr, Hängematte und Zelt verkauft oder verschenkt.

All das hat sich lange abgezeichnet und kommt nicht aus heiterem Himmel – und doch geht es nun überraschend schnell in die Realisation.

Klarheit setzt Energie frei

Ich spüre eine große Klarheit. Ich gehe. Koste es was es wolle. Mit oder ohne Thomas. Es ruft mich, es zieht mich, es fühlt sich stark an, alles andere hat keine Kraft mehr. Ich habe keine Kraft, anders zu handeln.

Ich sagte Haus und Hund ab. Anna reagierte wütend und zutiefst enttäuscht, dass sie nun doch keinen Hund bekommt.

Offener Schmerz

Gestern teilten wir es den Kindern und ihrer Mutter mit, dass wir nicht nur 6 Wochen nach Thailand reisen, sondern ganz weggehen. Schmerz, Wut, Enttäuschung kamen hoch. Wütende Anklagen und verunsicherte Fragen. Der Ruf nach der Vaterpflicht, nach Vereinbarungen, nach unserer Präsenz und Dasein.

Ja, es schmerzt. Auch uns. Sehr. Wir werden nicht mehr da sein, so wie davor. Die Kinder werden nicht mehr immer in unserer Nähe sein. Und dafür gibt es keinen Trost, keinen Ersatz, nichts, um dieses Loch zu stopfen. Volles Seinlassen und Annehmen dieses Schmerzes. Anna strampelte und rief immer wieder „Das ist nicht ok!“ Wir ließen sie. Einfach sein. Wir weinten und der Schmerz durfte und darf offen da sein.

Tiefe Liebe

Paradox, noch nie zuvor spürte ich eine so tiefe und offene Liebe und Verbundenheit zu Thomas, Anna und Julian, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind. Vor 3 Jahren kannte ich die drei noch gar nicht.

„Ich will auch die Welt sehen“

Heute wachte Julian fröhlich auf und sagte, er will einmal mit nach Thailand reisen, er will auch die Welt sehen. Anna kann sich vorstellen, dass sie mit einem lieben Kindermädchen zu ihrem Pferd geht. Ein neuer Mensch darf in ihr Leben treten. Julian sagt, er will kein Kindermädchen. Beide sind willkommen, mit uns zu reisen.

Nichts kann den Schmerz über das Getrenntsein überdecken oder trösten. Und soll es auch nicht. Alles darf da sein. Die Vorfreude über das Neue und der Schmerz über das Verlorene. Alles.